Heilung fühlen

Kann man Heilung fühlen?

“Was Sie machen, funktioniert nicht.” schrieb mir eine Dame.

“Ich erzähle Ihnen meine Geschichte” führte sie weiter aus:

“Ich hatte bis November Chemotherapie. Danach ging es bergauf. Und später noch besser. Mein dicker Arm schwillt immer mehr ab, ich werde deutlich fitter, kann normal arbeiten, meine Regel ist wieder da, meine chronische Sinusitis ist quasi nicht mehr spürbar, meine Depressionen sind weg, ich lebe in einem harmonischen Umfeld. Gefühlt gehen auch die Knoten zurück. Bin also voller Motivation ins CT und war schon gespannt aufs Gesicht vom Arzt, wenn er den super Befund sieht. Abends dann der Schock. Null Verbesserung, eine Lebermetastase von 3 Zentimeter auf 6 Zentimeter gewachsen. Keine Verbesserung bei den anderen Metastasen. In einem Zeitraum von 3 Monaten trotz Medikamenten. Soviel zum Thema ich heile mich selbst. Anderen geht es mies und Sie werden dennoch gesund… „

Meine Antwort:

Hier sind wir mit mehreren Faktoren konfrontiert:
1. Die Schulmedizin als starrer (oder soll man sagen sturer?) Vertreter eines mechanistischen Weltbildes sieht und behandelt den Körper als Maschine, die einen Fehler hat. Die Ursache des Fehlers interessiert nicht, und die Annahme, dass es sich eventuell gar nicht um einen Fehler handelt, sondern nur um eine (logische) Auswirkung von bestimmten Entscheidungen und Gewohnheiten, schon gar nicht.

2. Um die Frage, ob das „emotionale Barometer“ ein Indikator dafür sein kann, sich auf einem guten, heilsamen Weg zu befinden.
Dr. David Hawkins hat aus der Pflege „positiver Emotionen“ eine Heilmethode begründet. Nach dem Motto: „Fühl Dich gesund“. Seine ganze Lehre dreht sich um Wege, wie man das in der Praxis umsetzt. Aus meine Erfahrung als Selbstheilungs-Mentor kann ich sagen: Hawkins hat zu 100% Recht.

3. Um die Beziehung zwischen den Emotionen und körperlichen (Heil-)Prozessen. Und, in diesem Zusammenhang um die Zeitspanne, die es dauert, bis sich die entsprechenden Emotionen tatsächlich auswirken. 
Dazu ein simples Beispiel: Jemand beginnt einen Job als Karosserie-Lackierer. Er ist täglich mit hochgiftigen Mitteln in Kontakt und atmet diese ein. Wird dieser Mensch binnen Tagen krank? Nein. Es dauert meist Jahre, bis der Körper meldet: Mir tut das nicht gut. Und bei einem Heilprozess ist es genauso.

Es ist wie bei einem Tankschiff: ein Richtungswechsel braucht einfach seine Zeit. Aber deshalb zu sagen, ich verzichte von Vornherein darauf, den Rudereinschlag vorzunehmen, wäre absurd.

Und schlussendlich: Was ist die Alternative? Positive Emotionen hatten vorerst keine Besserung gebracht. Ist Heilung wahrscheinlicher, wenn ich nun in die Negativität versinke?

Tausende von Einflussfaktoren bestimmen unseren Werdegang.

Es ist wichtig, diesen Satz genau zu analysieren. Die Einflussfaktoren sind JETZT.

Diese bestimmen, was Ich WERDE.

Es gibt also ein “Dazwischen”.

Dieses Dazwischen ist die Zeit zwischen Ruder Einschlag und gewendetem Schiff.

Die Zeit zwischen gepflanzten Samen und der Ernte.

Die Zeit zwischen dem Beschluss, mich gut zu fühlen und einem gesunden Körper.

Wenn das Schiff nicht wendet, die Pflanze nicht sprießt, Gesundheit ausbleibt, dann gibt es irgendwo einen Umstand, der dies verhindert.

Jemand oder etwas in mir steuert gegen.

Jemand oder etwas in mir trampelt meine Sprösslinge nieder.

Jemand oder etwas in mir glaubt nicht an Heilung beziehungsweise glaubt einer externen Autorität, die die Situation als hoffnungslos, die oft brutalen Behandlungen als alternativlos beschreibt.

Ich behaupte, jemand der ohne Hoffnung ist, kann nicht gesund werden, ja nicht einmal gesund bleiben.

ich fühle mich heil

Wie ist der umgekehrte Fall? Eine Person, die sich wirklich bemüht, schlechte Gewohnheiten mit gesundheitsförderlichen zu ersetzen?

Nun, wie eingangs erwähnt, gibt es eine Unzahl an Einflussfaktoren für Gesundheit. Und so ist es natürlich auch möglich, dass ich mein Schiff schon auf das Riff gesetzt habe. Dass mein Boden so hart geworden ist, dass da kein Sprössling mehr durchkommt.

Wie verhalte ich mich dann? Darf ich dann aufgeben, negativ werden, mich gehen lassen, verbittert oder gar zornig werden?

Ich lebe nicht nur schon viele Jahre in einem buddhistischen Land, sondern halte auch die buddhistische Philosophie für sehr hilfreich. Diese geht von einem Kontinuum des Bewusstseins aus. Einer unsterblichen Seele, wenn man so will. Und, obwohl diese Seele immer wieder inkarniert, entwickelt sie sich über diese Inkarnationen auch. Die gemachten Lernerfahrungen bestimmen gewissermassen die Qualität, über die das Bewusstsein verfügt.

Und wenn ich mich als ewiges Bewusstsein sehe, kann ich mich auch dann – oder vielleicht sogar besonders dann – entwickeln, wenn ich bemerke, dass ich diesen Körper bald verlassen werde.

Wenn ich feststelle, dass die meisten meiner Ziele und Prioritäten vollkommen belanglos waren, und am Schluss nur die Momente zählen, in denen ich von Mitgefühl, Friede und Herzlichkeit erfüllt war.

Diese Erkenntnis alleine ist sehr viel wert und sie wird mir eine wertvolle Stütze in weiteren Inkarnationen sein.

Selbstheilung heisst, den inneren Arzt hören

Aber: In der überwiegenden Zahl der Fälle ist es noch möglich, körperliche Heilung herbeizuführen.

Und diese Möglichkeit sollte ich durch aktives Handeln unterstützen und fördern. Diese Aktivität sollte auf der mentalen, der physischen und der spirituellen Ebene stattfinden. (Details dazu habe ich an anderer Stelle beschrieben).

Nochmals zurück also zu dieser Übergangsphase, vom Alten in das Neue, vom unerwünschten in den erhofften Zustand:

Ich vergleiche diese Phase gerne mit einem Schwimmer, der bemerkt, von einer Meeresströmung nach draußen gezogen zu werden. Die meisten Menschen geraten in dieser Situation in folgende fatale Reaktionskette:

  • Angst (die Strömung wird bemerkt)
  • Widerstand (man schwimmt vehement dagegen an)
  • Panik (man erkennt, die Strömung ist stärker)
  • Erschöpfung (Verzweiflung und völlige Verausgabung innerhalb kürzester Zeit sorgen für den Zusammenbruch der mentalen und physischen Energie)

Ein erfahrener Wellenreiter lässt sich in eine solche Reaktionskette nicht hineinziehen.

Er ist sich im Klaren, wie er seine Kräfte weise einsetzt.

Er kann die Strömung “lesen” und weiß, wo er “aussteigen” kann.

Er paddelt nie direkt gegen die Strömung an, sondern immer in einem bestimmten Winkel dagegen – und im richtigen Augenblick.

Er geht nicht in die Angst, sondern bleibt auch in jener Phase Herr der Lage – auch und vor allem, während es ihn rauszieht.

Er weiß, sein Überblick, sein entschlossenes Handeln, die Balance aus “mit den Dingen fließen” und entschlossem Handeln ist der Schlüssel dazu, nicht nur zu überleben, sondern den Prozess sogar genießen zu können.

Er weiß aber auch, dass er in Wahrheit ein Teil des Ozeans ist und eines Tages wieder in ihm aufgehen wird.

Jeder Surfer will im Wasser sterben. Will quasi als der, der mit dem Meer spielt, selbst in das Meer übergehen.

Ich denke, das ist ein schönes Bild, das man auch sehr gut auf einen Heilungsprozess anwenden kann.

Spielerisch in diesen Prozess hinein zu gehen – in dem Wissen, dass wir alle eines Tages vom Spieler übergehen werden in das Spiel.

Dass wir das Spiel aber unseren Fähigkeiten entsprechend spielen.

Uns nicht nur treiben lassen.

Und so wird Selbstheilungsarbeit letztlich zu einem Prozess, der Freude bereitet, der etwas Spielerisches bekommt.

In dessen Vordergrund nicht das Überleben, sondern die Aktivität an sich steht.

Noch ein letztes Mal zurück zur Übergangsphase zwischen Ruder Einschlag und gewendetem Schiff, zwischen gepflanztem Samen und der Ernte:

Ein Steuermann, der den Ruder Einschlag nach rechts gesetzt hat weiß, das Schiff wird unter Berücksichtigung gewisser physischer Gesetze auch entsprechend drehen.

Der Bauer der einen bestimmten Samen gesetzt hat weiß, nach ein paar Monaten gewissenhafter Pflege der Sprösslinge wird genau diese Pflanzenart geerntet werden können.

Weder der Steuermann noch der Bauer befürchten, dass ihr Handeln ergebnislos bleiben könnte. Sie wissen, dass die Gesetze des Lebens dieses Handeln unterstützen.

Sie sind sich bewusst: ja es kann schwere Stürme, Überschwemmungen, Trockenzeiten und andere Krisen geben, aber sie würden nie auf die Idee kommen, wegen dieser Gefahren gleich von vornherein auf ein entsprechend aktives Handeln zu verzichten, oder dessen Wirkung fundamental anzuzweifeln.

Genau das machen aber viele Menschen die bestrebt sind, einen Heilungsprozess hervorzurufen. Sie bleiben passiv, warten auf den Rettungsschwimmer.

Und das Bedauenswerteste: sie bemerken gar nicht, wie schön es ist, da draußen, selbst in der Strömung…

Selbstheilungs-Coach Gerald Hagler
Artikel von Selbstheilungs-Mentor Gerald Hagler

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