gedankenkontrolle

Quälende Gedanken loswerden – Vom Denker zum Beobachter

Wer kennt sie nicht die ewig gleichen Geschichten, die der Denker in einem nie enden wollenden Gedankenstrom erzählt.
Der Inder Sadguru nennt das Selbst-Versklavung. Er sagt: “Es ist schlimm genug, ständig von jemand anderem gesagt zu bekommen, was zu tun ist – wir nennen das Sklaverei. Aber noch viel tragischer ist es, wenn der Sklaventreiber in mir selbst sitzt.“

“Du musst ins Hier und Jetzt gehen.”

Auf diese Aussage trifft man in der spirituellen Literatur sehr sehr häufig. Ähnliches ist gemeint mit
“Vom ICH in das Selbst wechseln.” Oder “Vom Denker zum Beobachter zu gelangen” oder auch mit dem jetzt so modernen “Achtsam Sein”.

Und ich will Dir in der folge ein ganzes Trainingsprogramm geben, das es Dir schon nach kurzer Zeit ermöglicht, einen immer größeren Abstand zum Denker zu erleben, und damit wirklich als Beobachter durchs Leben zu gehen.

Als der Zeuge aller Dinge, wie es im Buddhismus so blumig genannt wird.


Übung Nummer 1: 

Den nächsten Gedanken grüßen. Bei dieser Übung  stellst du dir vor, du schlenderst eine Fußgängerzone entlang und beobachtest, wer Dir als nächstes entgegenkommt. Statt einer Person achtest du allerdings auf deinen nächsten Gedanken. Sobald einer auftaucht, hältst Du kurz inne und sagst: „Hallo“!

Führe diese Übung jetzt für 3 Minuten durch.

Wir sind nicht der Körper – mit dieser Aussage können sich die meisten von uns relativ schnell anfreunden. Der Körper ist durch biologische Abläufe entstanden und gewachsen. 

Dass ich als feinstoffliches Wesen da hinein – und eventuell irgendwann wieder mal herausgehe – ist nachvollziehbar. 

Es leuchtet also ein, dass ein feinstoffliches Wesen nicht an den Körper gebunden ist.

Aber das Denken, das kommt doch aus mir selbst, oder? 

„Ich denke, also bin ich“ sagte Descartes und drückte mit diesem Zitat das Angebunden Sein des Selbst an den Denker aus, also die Identifikation des Menschen mit seinem Verstand. 

Aber, man muss sehen: Dieses Zitat entstammt einer Zeit, wo die Wissenschaft einen großen Sprung nach vorn gemacht hatte und es dadurch gelang, ganz viel Aberglaube und Quacksalberei der Vergangenheit zu eliminieren. Aus diesem Zusammenhang heraus ist es verstehbar, dass man das Denken gleich in den Fahrersitz einer menschlichen Existenz gehoben hat. Doch Trotz all der Vorteile, die ein wacher Verstand mit sich bringt, gehört das Denken in die Werkzeugkiste und nicht auf den Fahrersitz. 

Denn die Wahrheit ist: auch der Mentalkörper bin ich nicht. Dieser entwickelt sich genauso wie der physische Körper, aber anstatt durch Nahrung wird der Mentalkörper durch das Gedankenumfeld, dem ich während meiner ersten Lebensjahre ausgesetzt bin, geprägt.

Das heißt bei meiner Geburt komme ich mit einer unbeschriebenen Festplatte auf die Welt und nach und nach werden durch mein Umfeld Daten auf diese Festplatte geschrieben. Und es sind ausschließlich diese Daten, die mein Verstand zur Verfügung hat, Mit denen er arbeiten kann. 

Daraus folgt: ich kann nur mit dem Material Denken, was mir vorher jemand “eingespeist hat”. Es gibt Kulturen, die kennen kein Wort für “Schuld”. Also können sie dieses Wort auch nicht denken, es existiert in ihrer Realität nicht. 

Diese an sich nützliche Datenbasis, die wir in den ersten Lebensjahren erhalten, wird den meisten von uns allerdings zum Fluch.

Denn das Denken der meisten Menschen verselbständigt sich, geschieht unfreiwillig und zwanghaft.

Wer kennt sie nicht die ewig gleichen Geschichten, die der Denker in einem nie enden wollenden Gedankenstrom erzählt. 

Der Inder Sadguru nennt das Selbst-Versklavung. Er sagt:

“Es ist schlimm genug, ständig von jemand anderem gesagt zu bekommen, was zu tun ist – wir nennen das Sklaverei. Aber noch viel tragischer ist es, wenn der Sklaventreiber in mir selbst sitzt.”

sadhguru

Und Eckhart Tolle vergleicht das zwanghafte innere Geplapper mit einem Menschen, der an einer Palilalie leidet, das ist eine Persönlichkeitsstörung, wo der Betroffene ständig und zwanghaft laut etwas heraus plappert, wie das beispielsweise Tourette Patienten tun. Und genau so ein Tourette Kranker sitzt in unserem Gehirn und plappert vor sich hin. Unauhörlich.

Und wenn es sich dabei wenigstens um aufbauende Geschichten handeln würde…

Gedankenqualität qualitativ:

Wie ich in meinem Buch ausgeführt habe, sind von unseren etwa 50 bis 70 000 Gedanken täglich 72% flüchtig, 25 % negativ und nur 3% positiv. Jeder positive Gedanke wird also von acht negativen überlagert.

So wird also deutlich: das positive Denken allein kann kaum etwas ausrichten, wenn nicht gleichzeitig der negative Anteil reduziert wird. 

“Die Gedanken sind das Radioprogramm für die Zellen habe ich an anderer Stelle einmal gesagt.” Da die Gedanken nun mal auch unsere Gefühle hervorbringen, verwundert es nicht, dass sich viele Menschen eben öfters nicht so gut fühlen.


Übung Nummer 2: 

Die Wiederholung: 

Du weisst ja, wie ein Simultanübersetzer arbeitet. Er hört hin und gibt das Gehörte kurz darauf in einer anderen Sprache wieder. Stell dir jetzt einmal vor, du wärst Simultanübersetzer. 

Der Sprecher ist in unserem Fall dein innerer Denker. Der Simultanübersetzer ist der Beobachter. Das heißt du nimmst jetzt einmal ganz bewusst wahr, was der Denker als nächstes sagt. Anstatt es in eine andere Sprache zu übersetzen, wiederholst du es einfach nur. Und wie ein Simultanübersetzer sich inhaltlich nicht einmischt, beurteilst Du das Gehörte in keinster Weise sondern wiederholst es Wort für Wort. 

Als Beispiel: wenn es in Dir denkt: „Na das ist ja mal eine komische Übung.“ 

Dann wiederholst du: “Na das ist ja mal eine komische Übung.”

Führe diese Übung jetzt für 5 Minuten durch.

Warum ist es eigentlich erstrebenswert, sich mit dem Beobachter statt mit dem Denker zu identifizieren?

Der Beobachter wird normalerweise durch den ständigen Gedankenfluss des Denkers überdeckt. Der Denker hält an den ewig gleichen Inhalten und meist auch an unerwünschten Verhaltensmustern fest – und das auch noch hyperaktiv. 

Wenn Du den Beobachter hervortreten lässt, dann wird plötzlich eine höhere Intelligenz sichtbar, die jenseits des normalen Denkens existiert. Tepperwein nennt das “Online gehen mit dem Chef”. 

Du erkennst, dass Dein denkendes ICH nur einen sehr kleinen Teil der Dir zur Verfügung stehenden Intelligenz ausmacht.

Du erkennst, dass Kreativität, Intuition, Freude, Flow und innerer Friede, seinen Ursprung jenseits des denkenden ICHs haben. 

Das ist der Zeitpunkt, wo sich das Bewusstsein über den Denker erhebt.  

Um das zu erreichen, muss das denkende ICH aber unter Kontrolle gebracht werden. 

Das ist ganz besonders dann von Bedeutung, wenn ich großem Stress ausgesetzt bin wie z.b. nach einer schweren Diagnose. 


Übung Nummer 3: 

Der Erzieher:
In dieser Übung stellst du dir vor, du wärst Erzieher in einem Kindergarten und du hast einen bunten Haufen an 3 bis 5 jährigen Kindern zu beaufsichtigen. Nun ist es bekanntermaßen so, dass Kinder in diesem Alter einerseits Grenzen austesten wollen, andererseits lernen müssen, sich an gewisse Regeln zu halten, die für ein harmonisches Zusammensein in einer Gesellschaft unerlässlich sind. 

Und du als Erzieher hast, zumindest in der Zeit, wo du  für die Kinder verantwortlich bist, für ein harmonisches Miteinander zu sorgen. 

Und so kannst du es nicht tolerieren wenn eins der Kinder destruktiv oder aggressiv agiert, und schon gar nicht wiederholt. Denn so werden ja die anderen Kinder negativ beeinflusst und die Stimmung im ganzen Kindergarten könnte kippen. Sei also durchaus ein strenger Erzieher und weise ein besonders destruktives Kind darauf hin, dass es bei Nichteinhaltung der Regeln auch vom Kindergarten verwiesen werden könnte. So sorgst du für Disziplin, so verkörperst DU die nötige Autorität im Kindergarten und nicht diejenigen die am lautesten schreien oder sich am auffälligsten gebärden.

Denke jetzt bewusst an einen unangenehmen Gedanken, der häufiger in Dir aufkommt. Nachdem der Gedanke ausformuliert wurde, tritt in den Erzieher ein und sage zu diesem Gedanken: Deine Aussage ist unpassend und verstörend. Ich weise Dich darauf hin, daß eine Wiederholung derselben nicht toleriert wird. Damit Dir das klar wird, schreibe nun 5 mal das Gegenteil Deiner Aussage an die Tafel. (Wir gehen davon aus, daß die Kinder schreiben können.) 

Beispiel: Das Kind plärrt raus: “Was ist, wenn mich der Krebs tötet?” 

Du wendest dich ihm streng und mit einer entsprechenden Geste zu. In der nächsten Szene beobachtest du das Kind Kind, wie es 5 mal untereinander an die Tafel schreibt: “Der Krebs hilft mir, eine wichtige Lebensaufgabe zu erkennen und umzusetzen.”

Lass jetzt Deinen häufigsten negativen Gedanken zu und erziehe ihn in der beschriebenen Weise.

Führe diese Übung jetzt für 10 Minuten durch.

Du könntest diese Übung auch wie folgt abwandeln:

Variante 1:
Du bist Pförtner in einem großen schönen Anwesen und dein Job wäre es, zu entscheiden, für wen du das Eingangstor öffnest. Jetzt gehst du wieder in die bewusste Beobachtung des Gedankenstroms, diesmal bewertest du den Gedanken aber mit der Frage: „Will ich diese Gedankenenergie einlassen?“ Wenn die Antwort NEIN lautet, dann lass bewußt das Gegenteil des unerwünschten Besuchers ein – ähnlich wie in dem oben beschriebenen Beispiel. 

Variante 2:
Du bist Taubenzüchter. Dein Ziel ist es, dass sich die friedliebenden Tauben mit dem schönsten Federkleid vermehren und die aggressiven, störenden und andere tyrannisierenden Tiere tendenziell aussterben. Du könntest einer derart unerwünschte Taube den Eintritt in den Taubenschlag erschweren oder verbieten und sie bewußt wegfliegen lassen.

Während all dieser Übungen konntest du feststellen, dass es möglich ist zu denken und gleichzeitig dieses Denken zu beobachten.

Es muss also neben dem Denker auch eine Instanz geben, die für das Beobachten zuständig ist. Und mit dem kontinuierlichen Durchführen dieser Übungen wird es Dir gelingen, einen immer größer werdenden Abstand zwischen dem Denker und dem Beobachter herzustellen.

Zweitens wirst du vielleicht beobachtet haben, dass es ein Weilchen dauert, von dem Zeitpunkt wo du dich sozusagen in Lauerstellung begeben hast, bis zum Zeitpunkt wo der erste Gedanke aufkam. Es ist also durch das bewusste Beobachten des Gedankenstroms möglich, diesen Gedankenstrom zu unterbrechen für Ruhe zu sorgen und während dieser Ruhephasen einzig und allein der Beobachter zu sein. 

Und je konsequenter Du übst, desto länger werden die Ruhephasen. Das Denken wird mehr und mehr zu einem Werkzeug des Verstandes und immer weniger das Tourette kranke Plappermaul, das nie Frieden gibt.

Je öfter Du übst, desto länger wird der normalerweise automatisch weiter fließende Gedankenstrom unterbrochen. Für einen kurzen Moment gibt es eine Pause und du erhältst eine Möglichkeit, einerseits kurz auf den Gedanken bewusst zurück zu schauen, andererseits diese Pause zu genießen. Und wahrzunehmen: auch wenn es nicht denkt, bin ich. Oder gerade wenn es nicht denkt bin ich. Oder vielleicht sogar: 

NUR wenn es nicht denkt, bin ich (bei mir).

Zum Abschluss noch 2 Übungen, wo ich nicht mit dem Denker “spreche”, also quasi in Gedanken antworte.

  1. Höre etwas klassische Musik, mindestens 30 Minuten lang. Danach lauschst Du in Gedanken auf Dein inneres Konzert. Du wirst erstaunt sein, welch tolle Symphonien da erklingen!
  1. Gehe in die Natur. Begib dich in eine meditative Stimmung und nimm dann wahr, wie die Grenzen, innerhalb derer du Dich üblicherweise definierst, verschwimmen und Du mehr und mehr mit deiner Umwelt verschmilzt. Du wirst quasi zum Alles.
Selbstheilungs-Coach Gerald Hagler

Schön, dass Du da bist, mein Name ist Gerald Hagler, ich bin Autor und Selbstheilungs(kräfte)-Trainer.

Ein Kommentar

  1. Überwältigend….man muss sich aber immer wieder daran erinnern, um was zu bewirken, im Hamsterrad des Alltags verschwindet das gerne!! ⚘

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